Melancholia Review

Lars von Trier ist ein Name, der oft mit Kontroverse und extrem gespaltenen Meinungen verbunden wird.

Nicht umsonst ist der dänische Regisseur als das Enfant terrible Hollywoods bekannt, Pressekonferenzen, bei der er Witze über den Holocaust macht und die Themen seiner Filme, die teilweise gesellschaftlich äußerst verpönt und kontrovers sind, haben ihm diesen Ruf erarbeitet.

Ich selbst habe immer etwas vor seinen Filmen zurückgeschreckt, auch wenn ich viel Gutes u.A. über Dogville (2003)  und Nymphomaniac (2013)  von Leuten gehört hatte, auf deren Meinung ich Einiges gebe, habe ich mich nie an sie herangewagt, einerseits aufgrund ihrer kontroversen Themen, andererseits weil ich mir einen nach dem anderen anschauen wollte und so Trier als Regisseur im Gesamten untersuchen wollte.Melancholia_409_photo_by_Christian_Geisnaes_large

Daraus wurde dann nichts, als ich mir Melancholia kaufte, weil es in der Grabbelkiste des Elektronik- und Softwarehändlers meines Vertrauens lag und ich den gigantischen Schriftzug „directed by LARS VON TRIER“ überlas. Ich hatte davor mehrmals etwas von Melancholia gehört, aber nie realisiert, dass es ein Lars von Trier Film ist. Als ich mich auf einen melancholischen (got it) Filmabend vorbereitete, merkte ich, dass ich einen fatalen Fehler gemacht hatte. An dem Punkt war mir das aber auch egal und ich schob die BlueRay ein.

Melancholia ist ein Film, dessen oberflächliche Premisse leicht täuschen kann…

…denn auf den ersten Blick scheint es sich um einen Katastrophenfilm zu handeln.

Es geht um eine Frau namens Justine, gespielt von Kirsten Dunst, die ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag eine Vision hat, dass ein Planet namens Melancholia mit der Erde kollidieren wird. Der Planet soll nach der Aussage von Wissenschaftlern allerdings knapp an der Erde vorbeifliegen, sodass sie die einzige ist, die glaubt, dass das Ende der Welt bevorsteht.

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Der Film ist dabei in zwei Akte unterteilt, der erste Akt ist größtenteils aus der Sicht von Justine und beschäftigt sich mit ihrer Hochzeit, die von ihrer Vision beeinflusst wird und der Depression, die sich, durch die scheinbare Unvermeidbarkeit des Endes der Welt, bei ihr einstellt. Der zweite Akt ist aus der Sicht ihrer Schwester Claire, gespielt von Charlotte Gainsbourg, die sich um die mittlerweile depressive Justine kümmert und selbst langsam Angst vor dem mittlerweile unmittelbar nahem Planeten bekommt.

Der Film macht keine Gefangenen und das macht er in seinem filmisch absolut herausragenden, in Ultra Slow-Motion gefilmten Intro schon klar, hier sieht man bereits, wie Erde und Melancholia kollidieren. Dabei wird einem bewusst gemacht, dass es in dem Film nicht um ein Science Fiction Ereignis und das Leben vor der Apokalypse geht.

Melancholia beschäftigt sich, wie es der Name schon andeutet, mit Depression. 

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Der Planet, der langsam auf die Erde zukommt, dient dabei als Metapher für diese. Das Ende scheint für Justine unausweichlich. Nur sie weiß, dass es eventuell passieren wird und verfällt in absolute Verzweiflung und Motivationslosigkeit. Die Menschen um sie herum verstehen nicht, was mit ihr los ist und appelieren an sie sich zusammen zu reißen, ihr wird alles immer egaler, ihr Lieblingsessen schmeckt für sie wie Asche, sie ist allein mit diesem Gefühl der Verzweiflung und das macht es noch schlimmer.

Dieses Thema wird vom Film extrem gut behandelt, die Parabel, die hier geschlagen wird, gibt auch nicht an Depression Leidenden eine Idee davon, wie sie sich anfühlen könnte und zeigt, wieso es etwas anderes ist, als sich nur ein bisschen bedrückt zu fühlen. Man sollte alles was im Film gesagt wird also nicht für 1:1 so gemeint nehmen, sondern eher auf die Parabel achten und sich vor allem nicht über wissenschaftliche Ungenauigkeiten beschweren.

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Melancholia hat eines der wohl filmisch und musikalisch pompösesten Intros der Filmgeschichte, dass durch die schon erwähnte Ultra Slow-Motion und die geniale Cinematographie einen bleibenden Eindruck hinterlässt und auch die finale Szene des Films ist in den Aspekten der Inszenierung wirklich herausragend. Dazwischen wird allerdings viel mit Handheld-Kamera gearbeitet, was lange nicht so schön und beeindruckend wirkt, aber eine Art Realismus erzeugt, der dem Thema der Depression durchaus zugute kommt.

Der Soundtrack besteht größtenteils aus klassischen Stücken vor allem von Richard Wagner, der Film arbeitet oftmals aber auch mit Stille und das auf eine Art, die ich bisher noch nie gesehen habe.

So ist die Regie dieses Films alles in allem ziemlich beeindruckend und macht mich sehr gespannt auf die restlichen Werke von Lars von Trier, der mir hier bewiesen hat, dass er durchaus in der Lage ist, ein Meisterwerk zu schaffen.

Melancholia ist eine beeindruckende Studie von Depression und ein filmisches Meisterwerk, dass lange nach dem ersten Sehen im Gedächtnis bleibt.

Wertung: 10/10

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=wzD0U841LRM

IMDb: http://www.imdb.com/title/tt1527186/?ref_=nv_sr_5

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