David Lynch im Fokus: Mulholland Drive (Spoiler)

David Lynch ist einer dieser Künstler über die man entweder sehr sehr viel oder sehr wenig zu sagen hat. Einerseits könnte man galant die Phrase ‚artsyfartsy‘ herausschleudern, andererseits könnte man seinen eigentümlichen Stil und seine subversive Erzählweise loben. Die Entscheidung liegt beim Individuum und Zugehörige der ersten Gruppe kann ich trotz meiner differierenden Meinung durchaus verstehen. Denn Lynch ist ein sehr verkopfter Regisseur, der mit dem Publikum keine Kompromisse eingeht. Dies sieht man vor allem sehr gut bei seinem letzten Film Inland Empire, der fast gar keinen oberflächlich zu erfassenden Handlungsstrang besitzt, sondern den Zuschauer zusammen mit der Hauptcharakterin in einen hyperrealistischen, sehr langen (3h!!!) Alptraum schickt.

Als erstes Beispiel nehme ich aber ein etwas (und mit etwas meine ich ein Klitzekleines-bisschen) zugänglicheres Fallbeispiel, nämlich meinen persönlichen Favoriten von Lynch: Mulholland Drive.

mulholland-drive.jpg

Achtung, es folgen massive Spoiler:

David Lynch hat mit Mulholland Drive einen Film geschaffen, dessen Narrativ einerseits alinear und andererseits verschlüsselt ist. So erfahren wir erst zum Schluss die Wahrheit, nämlich dass ein großer Teil des Films nur ein Traum ist und auch nur dann, wenn wir verstehen wo das Traumnarrativ stattfindet und wo das übergreifende ‚reale‘ Narrativ ist.

BlueBox

Das Motiv des Schlüssels/Schlosses gibt es auch im Film, in Form der blauen Box und des blauen Schlüssels, die für das Bewusstsein und Realisation stehen. Im Film realisiert Diane dass sie träumt, als Rita die Box mit dem Schlüssel öffnet und die Dunkelheit der Realität in die angenehme, aber leider komplett unechte Traumwelt lässt, dabei ähnelt die Box in ihrer Wirkung etwas der Büchse der Pandora. Hier kommt eine Technik zum Tragen, die Lynch auch bei anderen seiner Filme verwendet: Bis zu einem bestimmten Punkt wissen wir selbst nur so viel wie der Hauptcharakter (Suche nach dem Schlüssel) und haben dann mit ihm zusammen die große Realisation (Inhalt der Box).

PDVD_007

Der Traum ist so geschickt umrahmt, dass uns beim ersten Sehen anfangs fast nie auffällt wo er beginnt, nämlich mit einem POV Shot von Diane, die zu Bett geht (oben). Eine extrem wichtige Sequenz, die uns, die endlos viele Filme mit ähnlichen, aber bedeutunglosen Einstellungen gesehen haben, schnell mal entgeht, sodass wir uns nach Ende des Films eventuell doch etwas den Kopf kratzen. Aber Mulholland Drive ist ein Film den man ruhig mehrmals sehen kann, denn dann kann man das Narrativ für sich selbst entschlüsseln und die volle emotionale Tragweite der Geschichte verstehen, die Lynch hier so meisterhaft erzählt.

 

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