Inland Empire Review – Ein Albtraum voller Gefühle

Inland Empire beginnt recht konventionell, wie fast alle von Lynchs Filmen, zieht den Zuschauer dann aber doch recht schnell in einen Albtraum aus Hyperrealismus, Konfusion und russischen Dialogen, der bis zum Schluss nicht ablässt.

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Laura Dern spielt dabei eine Schauspielerin die mit ihrer neuesten Rolle ein Comeback machen will. Doch das Remake in dem sie mitspielt ist von dunklen Ereignissen überschattet, die auch auf sie ihren Einfluss haben. Langsam zweifelt sie selbst an ihrem Verstand…

Die Cinematographie des Films zwar durch die niedrige Auflösung der Kamera nicht unglaublich hübsch, aber doch sehr stilsicher durch die starke Beleuchtung und extrem eigen durch die ungewöhnlichen Kameraeinstellungen. Laura Dern schafft es in diesem Film wohl die beste Schauspielleistung ihrer Karriere abzuliefern und das liegt natürlich teilweise auch an Lynch. Der Regisseur arbeitet extrem eng und konkret mit seinen Schauspielern und zieht alles aus ihnen heraus. So sind auch alle Nebendarsteller großartig und ergeben einen ziemlich perfekten Cast. Der Schnitt sowohl als auch die Kamera sind von David Lynch persönlich durchgeführt worden. Man sieht: Lynch hatte fast hundertprozentige Kontrolle über das Projekt und das merkt man.

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David Lynch ist bekannt dafür surrealistische, traumartige Filme zu machen, deren Subtext man meist mühevoll entschlüsseln muss, wie in Mulholland Dr. (2001) und Lost Highway (1997), beides Filme die unter der Oberfläche noch viel mehr bergen als auf den ersten Blick. Oft kritisiert wurde dabei, dass der Subtext nicht offensichtlich genug sei um der oberflächlichen Handlung einen tieferen Sinn zu geben und Lynch somit dem Zuschauer kaum Punkte gibt an denen er sich während des Schauens festhalten kann. Bei Den beiden oben genannten Beispielen kann ich diese Kritik nur bedingt verstehen, da ich finde das die Filme auch ohne den Subtext genug Substanz haben, bei Inland Empire kann ich diese Kritik aber durchaus nachvollziehen.

Im Unterschied zu Mulholland Dr. und Lost Highway hat der Film keine offensichtlichen Parabeln bzw. ein verschlüsseltes Narrativ an das man durch wiederholtes Schauen einfach herankommt. Stattdessen ist Inland Empire selbst für mich, als jemand der den Film ein Dutzend Mal gesehen hat, ein ewiges Rätsel.

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Trotzdem behaupte ich aber ständig Inland Empire sei Lynchs logischer Abschluss seiner Filmographie und halte es für ein absolutes Meisterwerk, aber warum?

Der simple Grund sind Gefühle.

Lynch hat in seinen Filmen schon immer einen großen Wert darauf gelegt was der Zuschauer fühlt und weniger darauf geachtet, dass er durch eine völlig kohärente Geschichte unterhalten wird. Inland Empire ist in dieser Hinsicht die logischstmögliche Fortführung dieses Trends, denn hier  vermittelt der Film dem Zuschauer ständig Gefühle, die er in den meisten Fällen mit der Hauptcharakterin teilt, die dadurch zur Identifikationsfigur wird. Prominent sind dabei vor allem Verwirrung, Angst und zum Ende des dritten Akts auch Erleichterung. Diese Erleichterung ist für mich bis zum heutigen Tag einer der intensivsten Gefühlserfahrungen die ich je hatte.

Nur die besten Filme schaffen es einen wirklich fühlen zu lassen und Inland Empire ist einer der besten auf diesem Gebiet. Ein Meisterwerk.

 

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