2016 – Ein Jahresrückblick in Filmen

2016 war ein…schwieriges Jahr. Sowohl politisch als auch gesellschaftlich, als auch für mich persönlich. Das macht es umso erfreulicher, dass tatsächlich das Kino dieses Jahr einen schönen Ausgleich geliefert hat und uns mit Geschichten überrascht hat, die wir in diesen Zeiten nur zu gut gebrauchen können.  Ich werde folgend über die Filme reden, die mich in diesem Jahr besonders beeindruckt haben. Aber Achtung: Dies ist keine Jahresliste!

The Fits

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Ein Independent Film in jedem Sinne des Wortes: Originell, kinetisch und unvergleichbar. The Fits schafft es über seine recht kurze Laufzeit ein Narrativ aufzubauen, dass in keinster Weise versucht dem Zuschauer ein Gefühl abzuringen, es verlässt sich fast vollkommen auf seine (übrigens absolut herausragende) cinematographische und schauspielerische Kompetenz und schließt mit einer Sequenz bei der sich bei mir Gänsehaut einstellte. Es besitzt Elemente eines Coming of Age Filmes, aber transzendiert dieses Genre mit seiner zweiten Hälfte mühelos. Ich weiß bis heute nicht wie ich den Film genau interpretieren soll, aber ich muss sagen, dass es mir auch nicht wichtig ist, ob er jetzt wirklich eine Aussage hat oder nicht. Für mich war der Film nicht nur die Antithese zum Hollywoodblockbuster mit seiner weiblichen, diversiven Perspektive, seinem eigenwilligen Pacing, seinem Verzicht auf klare Botschaften und seiner Schlusssequenz, sondern auch pure expressionistische Kunst.

Closet Monster

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Ich liebe Coming of Age Filme. Vielleicht weil ich selbst noch mein eigenes Coming of Age erlebe. Ich fühle mich oft sehr verbunden zu ihnen und mag sie deshalb fast immer, auch wenn sie einfach nicht so stark erzählt sind. Allerdings nervt es mich dann doch wenn sie immer wieder die gleichen erzählerischen Elemente verwenden ohne etwas Abwechslung mitzubringen. Closet Monster hat genau das vermieden, indem es einen Surrealismus in seiner Erzählstruktur anwendet um der Erfahrung dieses Lebensabschnittes eine völlig neue Dimension zu geben. Es fängt die Surrealität von Ängsten, Wünschen und Hoffnungen unglaublich gut ein und wird von einer starken Hauptdarstellerleistung getragen, die den Film erdet.

Der Nachtmahr

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David Lynch ist mein Lieblingsregisseur. Ich finde er hat eine absolut einzigartige und unübertroffene Art Traumnarrative und Surrealismus in seine Filme einzubauen und sie zu fast schon poetischen Erfahrungen zu machen. Es gibt in der vergangenen Zeit viele Nachahmer die versuchten diese Art von Storytelling zu kopieren, aber wirklich erfolgreich war keiner. Das änderte sich dieses Jahr ausgerechnet mit einem deutschen Film, für den es quasi kein Marketing gab und den ich nur durch eine Empfehlung gesehen hatte. Der Nachtmahr ist ein Coming of Age Film, der ähnlich wie Closet Monster versucht die Erfahrung des Coming of Age und dessen Absurdität durch Surrealismus auszudrücken. Dabei ist Der Nachtmahr aber deutlich radikaler und verwendet eine Art psychotischen Zustand des Hauptcharakters um ihre mentale Reise zur Reifung visuell darzustellen. Der Film borgt sich viele Elemente von Lynch und implementiert sie aber so erfolgreich inmitten eigener Identität, dass der Film trotz seiner Inspirationen originell wirkt. Das geringe Budget macht das ganze Projekt nur noch beeindruckender, da der Film mit minimalen Mitteln eine unglaublich große Wirkung erzielt. Ein weiterer Triumph in der Welle des neuen, deutschen, riskanten Kinos.

Swiss Army Man

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Originalität ist etwas was dieses Jahr das Indiekino ein weiteres Mal ausgezeichnet hat und Swiss Army Man ist einer der größten Erfolge in diesem Aspekt. Eine Geschichte absoluten Wahnsinns, mit fragwürdigem Humor und trotzdem so viel Herz wird hier erzählt und das meiner Meinung nach mit mehr als nur ein wenig Erfolg. Ich musste sehr viel lachen und war von einigen der Themen, die fast schon existenziell wirkten trotzdem mitgenommen. Es ist ein Wunder das so eine Art Film überhaupt existiert, aber ich bin sehr froh dass es passiert ist und kann es nicht erwarten weitere Filme, die ähnlich furchtlos und einzigartig in ihrem Konzept und ihrer Umsetzung sind, zu sehen.

The Lobster

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Dieser Film ist unglaublich. Er baut eine Welt auf die vor Absurdität kaum mehr zu retten ist, gleichzeitig aber ist er darin so gut und nimmt sich dabei so ernst, dass sie absolut glaubhaft wirkt und dadurch eine gewisse Tragik entwickelt. Dieser Kontrast aus Tragik und Absurdität macht den Film nur noch lustiger als er sich auf den ersten Blick anhört. Aber trotzdem ist der Film in keinster Weise eine Komödie. Die unglaubliche tonale Balance die das Writing hier abzieht macht ihn zu einer fast schon surrealen Erfahrung und unterhält unglaublich gut. Die Gesellschaftskritik und Tiefe die der Film abseits davon besitzt will ich auch nicht unter den Tisch kehren, auch wenn der Film ohne sie nicht viel schlechter wäre. Colin Farell glänzt zudem in einer nicht sehr einfach Schauspielleistung die dieses Jahr viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hat.

The Witch

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Und weiter geht es mit den Coming of Age Filmen, diesmal einer auf den ich schon seit dem ersten Trailer gewartet habe. The Witch (oder The VVitch) ist ein Film über Selbstfindung und Überwindung äußerer Umstände, der nicht nur als Coming of Age Film funktioniert, sondern dabei auch legitim als Horrorfilm unter die Haut geht. Der Film ist etwas was ich niemals erwartet hätte, da die Trailer einen etwas konventionelleren Horrorfilm versprachen und nicht das Ingmar Bergman-eske Werk das wir schlussendlich erhielten. Glaube ist wie oft bei Bergman eines der Hauptthemen des Films und auch seine Auswirkung auf menschliche Interaktion wird hier beleuchtet. Abgesehen davon besitzt The Witch einfach extrem starke Regie in seinen Momenten des Horrors und endet mit einer absolut unerwarteten Wendung, die leicht hätte ins Lächerliche abdriften können, aber absolut fantastisch funktioniert, eben wegen den Themen die der Film über seine Laufzeit behandelt und dem Aufbau der Spannung der bis dahin passiert.

Things to Come

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Isabelle Huppert ist eine Naturgewalt, aber in diesem Film liefert sie eine erstaunlich subtile und zurückhaltende Schauspielleistung ab, die den Film trotzdem trägt und einen Großteil seiner Stärke ausmacht. Die erzählerische Seite des Films kombiniert den Hintergrund von Hupperts Charakter als Philosophielehrerin mit der Selbstfindung die sie trotz des Wissens über philosophische Konzepte durchgehen muss und wirkt dabei unglaublich mühelos. Das Writing des Films schafft es dabei einen extremen Realismus herzustellen und hat einige Momente, die wie aus dem Leben gegriffen wirken. Die Atmosphäre des Films ist angenehm hell und optimistisch, trotz der schwierigen Zeit die der Charakter hier überstehen  muss und strahlt eine hoffnungsvolle Botschaft über die Positivität gegenüber vom Leben aus.

Paterson

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Wenn man sich diesen Film mit Hollywood-Standart Gläsern anschaut, passiert nichts und damit meine ich absolut gar nichts innerhalb seiner Laufzeit. Ein Busfahrer steht jeden Tag auf, geht zur Arbeit, schreibt ein paar Gedichte, kommt zurück nach Hause zu seiner Frau, geht abends in eine Bar und dann ins Bett. Das wars. Und nein, dieser Tagesrhytmus wird nicht durch irgendeine Krise aus der Bahn geworfen. Dieser Film verursachte in mir nach einigen Minute eine unglaubliche Ruhe, die kaum ein anderer Film bei mir auslösen konnte. Die Routine von Adam Drivers Charakter ist eine repetitive, die aber durch seine künstlerische Auslebung im Gedichteschreiben wenigstens etwas Abwechslung besitzt und dadurch nicht unertragbar gleichtönig wird. Zudem hat er eine Frau die sich täglich neu entdeckt und immer wieder Überraschungen bereithält. Die Beziehung zwischen Paterson und seiner Frau ist eine sehr liebe- und verständnisvolle, auch wenn die Charaktere nicht immer auseinander schlau werden. Der größte Triumph des Films ist es diese Repetition und Ruhe des Alltags zu skizzieren, ohne dabei auch für eine Sekunde langweilig zu sein. Im Gegenteil, ich war selbst beim zweiten Kinogang noch sehr interessiert an den Alltagssituationen die hier dargestellt werden und genoss jede Sekunde. Der Charakter von Paterson versucht die Poesie seines eigenes Lebens und seines Alltags einzufangen, denn er ist zufrieden mit seinem recht einfachen Leben und versucht die Schönheit darin zu sehen. Und das ist etwas absolut wunderschönes, diese Selbstsicherheit und Zufriedenheit mit dem eigenen Leben und die künstlerische Seite die sich daraus entwickelt.

Certain Women

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Mein erster Kelly Reichhardt Film und was für einer! Ähnlich wie Jarmusch in Paterson untersucht Reichhardt den Alltag, allerdings aus einer weiblichen Perspektive und beleuchtet die Rolle der Frau in der Gesellschaft an sich und die täglichen Kämpfe die sie bestreiten muss. Dabei präsentiert sie einen Ensemble Cast der wohl einer der stärksten des Jahres ist, mit großen Namen wie Stewart, Dern und Williams, aber auch mit einer der größten Entdeckungen des Jahres, Lily Gladstone. Der Film ist ein sogenannter Anthology-Film, verbindet also mehrere unabhängige Geschichte zu einer großen, thematisch zusammenhängenden. Die einzelnen Geschichten haben nur lose Zusammenhänge, die aber vor allem in einem Fall extrem viel erzählerische Stärke haben. Die Ruhe die der Film hat ist unglaublich erfrischend und die komplexen und menschlich geschriebenen Charaktere werden durch die durchgehend hervorragenden Schauspielleistungen zu fassbaren Figuren. Vor allem der Handlungsstrang von Lily Gladstones und Kristen Stewarts Charakter ging mir wirklich nahe, einfach weil so viel nachvollziehbare Spannung zwischen diesen Figuren entsteht.

American Honey

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Der erste Film den ich von Andrea Arnold sah war Fish Tank, ein großartig gespielter Millieaufilm, der großes Potential in der Zukunft für diese Regisseurin versprach. Dieses Potential wurde nun eingelöst. American Honey ist einer der Gründe wieso ich das Kino so liebe. Man verliert sich in einer Welt, Charaktere wachsen einem ans Herz und man will das es niemals aufhört. Tatsächlich dauert es auch eine ganze Weile bis dieser Film aufhört, nämlich stolze 3 Stunden, von denen ich jede Sekunde genoss. Shia Lebeouf gibt hier seine wahrscheinlich beste Schauspielleistung und die Newcomerin Sasha Lane stiehlt die Show mit ihrer kinetischen Art. Der Film hatte auf mich vor allem visuell einen Eindruck hinterlassen, komplett in 4:3 gefilmt, bot er einige wunderschöne, mit natürlichem Licht durchflutete Closeups, die ich mir gerne einrahmen würde. Der Film ist ein Trip, von Anfang bis Ende, er hat kein Ziel und kein wirkliches Ende und es fühlt sich an als ob er auch unendlich lang weitergehen würde wenn die Credits nicht irgendwann anfangen würden. Davon abgesehen ist der Film auch ein fantastisches Portrait einer alleine gelassenen Generation, die mit der Welt auf ihre eigene Weise klarkommt.

Krisha

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Meine Güte. Es gibt diese Debütfilme, die einen so überraschen und mitnehmen, dass man es kaum fassen kann, das sie tatsächlich der erste Film eines Regisseurs ist. Krisha ist definitiv einer davon. Eine fast schon Terrence Malick-eske Untersuchung von Familiendrama und Familienrollen, die vor allem durch ihre unglaublich starke und selbstsichere Regie glänzt, die keine Kompromisse trotz des geringen Budgets eingeht. Die Schauspielleistungen sind stark, so stark dass man fast nicht glauben kann, das das einfach nur die Familie des Regisseurs ist, die dort mitspielt. Das geschlossene Setting und die intensive Kameraarbeit erzeugen eine Anspannung die im Narrativ zum Ende hin ein gigantisches Payoff erhält. Der Film ist vielleicht nicht der erzählerisch stärkste des Jahres, aber definitiv einer der Filme die mich am meisten mitgenommen haben.

Elle

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Paul Verhoeven ist zurück und wie! Elle hat wohl eines der erzählerisch kontroversesten Themen des Jahres, ein überraschend humorvoller Revenge-Thriller über ein Vergewaltigungsopfer. Letzteres, gespielt von Isabelle Huppert, lässt sich mit ihrem Vergewaltiger auf ein gefährliches Katz und Maus-Spiel ein, das zu entgleisen droht. Es gibt zwei Gründe wieso der Film funktioniert und nicht in geschmackloses Territorium abdriftet: Das hervorragende Writing und Isabelle Hupperts Schauspielleistung. Isabelle Huppert liefert hier nämlich die beste Leistung ab, die ich 2016 in einem Film gesehen habe, ihr Charakter ist komplex und unsymphatisch und gibt ihr damit eine gute Vorlage mit ihrer Performance alle Grenzen zu überschreiten. Und das macht sie auch. Sie ist dabei  ein Charakter den man fast schon als ‚post-feministisch‘ sehen könnte. Sie schreitet eine schmale Linie zwischen nachvollziehbar und unerträglich und ist dabei mehr als erfolgreich. Das Writing in dem Film geht einen ähnlichen Pfad, es ist immer kurz vor der Geschmacksgrenze, überschreitet sie aber nie und bleibt immer unangenehm unterhaltsam. Ich bin mir sehr sicher, dass es einige Dinge gibt die ich an diesem Film niemals vergessen werde, die Eröffnungssequenz ist definitiv eins von ihnen.

La La Land

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Damien Chazelle bewies mit Whiplash schon, dass er Großes in Petto hatte, vor allem in seiner unglaublich kinetischen Regie und seiner Fähigkeit Schauspieler zu dirigieren. La La Land ist noch ein weiterer Schritt die Treppe seiner Karriereleiter hinauf, denn es schafft es regietechnisch eine absolute Meisterleistung zu sein, jeder Moment ist mit unglaublicher Leidenschaft und Liebe zum Detail in das große Ganze eingewoben, dass man ihm nur gratulieren kann. Zudem hat er einfach mal nebenbei das Hollywoodmusical wiederbelebt, dass zu einem meiner Lieblingsgenres gehört und mit Vertretern wie ‚Singin in the Rain‘ auch in meinen Lieblingsfilmen vertreten ist. Die Balance zwischen Hommage und Originalität trifft der Film in absoluter Perfektion, Anspielungen wie Gene Kellys Laternendreher, der  im ersten Drittel des Films von Ryan Gosling 1:1 kopiert wird gleichen sich mit dem spielerischen Umgang mit Klischees aus, die hier vor allem gegen Ende in knallharter Manier zerstört werden. Die Tanznummern sind voller Freude, Humor und Passion, vom absolut genialen Opening Shot bis zur Montage gegen Ende des Filmes und der Soundtrack ist ein Instant Classic. Der Film hadert zwar in seiner Mitte mit einigen Problemen im Drehbuch, vor allem mit einem spezifischen, sehr zweidimensionalen Charakter, aber fängt sich dann doch so gut wieder, dass man ihm das locker verzeiht. Die beiden Hauptdarsteller glänzen wie Stars im wahrsten Sinne des Wortes und passen in ihrer Chemie und ihrem kompatiblen Charisma perfekt zusammen. Die Cinematographie erinnert an Jacques Demys ‚Les parapluies de Cherbourg‘ in ihrer Farbpalette und ihren langen Shots und ist in jeder Sekunde wunderschön mitanzusehen. Der Film ist kein Meisterwerk. Das nicht. Aber er ist einerseits verdammt nah dran und andererseits einfach viel zu emotional ergreifend und symphatisch um ihn nicht zu lieben. Es gibt auch viel Kritik zu der Besetzung der Hauptcharaktere, deren gesellschaftlich priviligierte Stellung natürlich keine ist, mit der sich jeder identifizieren kann, aber andererseits geht es in dem Film doch mehr um das Träumen und die Verwirklichung und den Kampf um die eigenen Träume an sich, sodass ich diesen Kritikpunkt zwar durchaus legitim finde, aber nicht wirklich unterstütze. Ich bin so froh das dieser Film existiert.

Toni Erdmann

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Und jetzt komme ich zu dem Film der für mich alles geändert hat. Toni Erdmann ist ein absolutes Meisterwerk. Der mit Abstand originellste und überraschendste Film des Jahres dekonstruiert mit Leichtigkeit Humor und dessen Bedeutung, Beziehungen in unserer modernen Gesellschaft, die Geschäftswelt und ihre Machtdynamiken, Genderrollen im Kapitalismus und zwischenmenschliche Kälte. Das klingt natürlich alles unglaublich ambitioniert für einen deutschen Film, aber das ist auch einer der Gründe wieso er beinahe 3 ganze Stunden lang ist, er verarbeitet einfach eine so unglaublich große Anzahl von Themen gleichzeitig und ist dabei aber immer auf seine Charaktere fokussiert, dass er gar nicht anders kann. Maren Ade, die mit ihrem Film ‚Alle Anderen‘ bei mir schon viel Gefallen gefunden hat, geht hier noch einen Schritt weiter und dekonstruiert unsere gesamte Gesellschaft mit einem Drama das nicht nur unglaublich tragisch, aber teilweise auch extrem surreal und humorvoll ist. Dabei schreibt Ade ihre Charaktere und Dialoge so unglaublich realitätsnah, dass es in manchen momenten fast schmerzt. Sie ist eine Regisseurin, die keine Angst vor den unangenehmen, langen und stillen Momenten hat und implementiert einige davon in ihrem Werk, vor allem zum Anfang, wo die beiden Hauptcharaktere in einem Zustand der Beziehungslosigkeit schweben. Trotz allem ist der Hauptfokus des Films wie schon erwähnt die Charaktere, wir haben hier zwei sehr unkonventionelle, teilweise eher unsymphatische Menschen, die in ihrer eigenen Art und Weise mit der modernisierten Welt klarkommen. Sie werden beide dabei so brilliant gespielt, vor allem von Sandra Hüller als Ines, die hier eine der wahrhaft besten Schauspielleistungen des Jahres abliefert, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass sie wirklich auch existieren und sind so gut geschrieben, dass sie vor schierer Komplexität nicht mehr als Figuren zu erkennen sind. Um diese beiden Personen drehen sich die restlichen Themen wie Planeten um die Sonne und der gesamte Film, die gesamte Distanz der Charaktere und die gesamte Anspannung die durch die anderen Themen entsteht, kulminieren in einem der besten Shots des Jahres und einer der größten Momente der Katharsis seit Ewigkeiten. Dabei sollte man natürlich die anderen Momente des Films nicht vergessen, denn das ist mit seine größte Stärke: Dieser Film schafft Momente, die ich in meinem Leben nicht wieder vergessen werde. Sei es der erste Auftritt von Toni Erdmann, der Whitney Houston Song oder die berühmt-berüchtigte Geburtstagsparty, dieser Film wird im Verlauf seiner 3-stündigen Spielzeit nie langweilig, weil er immer absurdere und tragischere Momente zwischen der inhaltlichen Tiefe bietet. Es wird glaube ich sehr lange dauern, bis mich ein Film wieder so beschäftigt und beeindruckt und ich denke wenn dieser Film kommt, dann wahrscheinlich von Maren Ade, die hiermit meiner Meinung nach bewiesen hat, dass sie eine der besten deutschen Drehbuchautorinnen aller Zeiten ist.

 

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